Seit Anbeginn des Projektes bin ich mit Manfred Bockelmanns Opus magnum ZEICHNEN GEGEN DAS VERGESSEN in vielfacher Hinsicht (Organisator, Berater, Kurator, Chronist) eng verbunden. Bereits im Jahre 2012 bat mich der Künstler um einen Freundschaftsdienst: Ich möge einen Text über die Anfänge der Arbeit am Kinder-Holocaust-Projekt verfassen. Ihm, der ja „eigentlich selbst ein wortgewandter Sprecher wäre, fehlten in diesem Fall die richtigen Worte“. DUNKLES ERINNERN I - Augenzeugenbericht einer Spurensuche - entsprang dieser Bitte und wurde 2012 in der CARINTHIA I - Zeitschrift für geschichtliche Landeskunde von Kärnten - erstmals veröffentlicht. Der Titel sollte nicht nur den farblichen Grundton der Zeichnungen reflektieren, sondern auch das Dunkel jener Zeit und jenes der Erinnerung andeuten. Auch in den großen Ausstellungskatalog, der leider seit Jahren vergriffen ist, wurde der Text aufgenommen. Seit dem Jahr 2014 entstand und entsteht DUNKLES ERINNERN II. Dieser Text ist eine Spurensicherung und beschäftigt sich mit den Wegen, die das Projekt bislang gegangen ist, mit seinen Stationen, seiner Rezeption und Wirkungsgeschichte.
Zeichnen gegen das Vergessen hat sich mittlerweile zu einem internationalen Großprojekt entwickelt. Ich vermute, dass es, dank hunderttausender Besucher, zu den meistgesehenen und meistbesprochenen Projekten eines lebenden, österreichischen bildenden Künstlers zählt. Alle Stationen zu nennen ist kaum noch möglich, und so ergänzt diese Auflage den Bericht lediglich um ein paar spezielle Ausstellungsorte. Eine wesentliche Erweiterung ist die von Stefan Pumberger und mir zusammengestellte Zeitleiste, die schlaglichtartige Einblicke in die politische und gesellschaftliche Situation jener dunklen Jahre liefert.
Stellvertretend für die vielen hervorragenden Eröffnungsreden, die Persönlichkeiten wie der Universalkünstler André Heller, der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer, der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck, der portugiesische Parlamentspräsident Eduardo Ferro Rodrigues oder der Holocaust-Überlebende und Oscar-prämierte Film-Produzent Branko Lustig (Schindlers Liste, Gladiator, Die Blechtrommel, etc.) zu „Zeichnen gegen das Vergessen“ hielten, wurden jene außerordentlichen des Schriftstellers und Regisseurs Peter Wagner sowie des Wissenschaftlers Peter Gstettner in die Broschüre aufgenommen. Wie auch ein Beitrag der Wissenschaftlerin Nadja Danglmaier.
Heiner Hammerschlag, Maria Saal, im Juli 2020