Im weitesten Sinn ist Manfred Bockelmann Landschaftsmaler, wobei der Begriff für ihn die Darstellung von Industrie- und Stadtlandschaften inkludiert. Der formal unerschöpfliche Reichtum der Welt ist ihm Inspiration und Thema. Mit der menschlichen Figur beschäftigt er sich kaum. Portraits zeichnet er zu Beginn der 1960er Jahre an der Kunstschule in Graz, danach nicht mehr. Dass er Jahrzehnte später doch noch zum Portraitisten wird, ist einem glücklichen Zufall zu verdanken.
Im Jahre 2007 nahm Manfred Bockelmann wieder einmal am Bildhauersymposium in Maria Saal teil. In dieser Zeit wäre ein Genius loci, der Komponist, Schriftsteller und Kunstmäzen Gerhard Lampersberg (1928-2002), neunundsiebzig Jahre alt geworden. Als Leiter des Symposiums hatte ich eine kleine Gedenkveranstaltung vorgesehen. Unter anderem zitierte ich aus Briefen, welche die Lyrikerin Christine Lavant (1915-1973) an die Eheleute Lampersberg geschrieben hatte. Am Tag vor dieser Lesung besprach ich mich mit Manfred und bedauerte dabei heftig, kein großformatiges Portrait der Dichterin präsentieren zu können. Als er tags darauf erschien, hielt er ein riesiges Bildnis der Lavant in Händen. Er hatte die Nacht im Atelier verbracht und aus Zeitnot auf die Methode der schwarzen Linien zurückgegriffen. Er projizierte die Konturen des Lavantschen Charakterkopfes mittels Beamer auf grobe Jute und fixierte sie ebendort mit Kohlestift. Ich erinnere mich an die Freude in seinem Gesicht, als das Werk allseits gelobt wurde, da an der Identität der Dichterin kein Zweifel bestand. Das Bildnis der Lavant geriet in die Medien. Aufträge folgten. Für das Maria Saaler Bildhauersymposium schuf er im Jahre 2008 ein Portrait von Gerhard Lampersberg und 2010 eines von Peter Turrini.